Ankündigungen
Home / Alevitentum / Gleichstellung von Frau und Mann im Alevitentum

Gleichstellung von Frau und Mann im Alevitentum

Wer den Menschen als Mensch betrachtet und Hautfarbe, Sprache, Religion, Herkunft und anderes Denken außer Acht lässt, denkt so, wie die anatolischen Aleviten über Männer und Frauen denken. Sie glauben nicht, dass einer dem anderen über- oder unterlegen ist. Mann und Frau sind gleichwertig und haben gleiche Rechte. In dem folgenden Zitat von Haci Bektas Veli kommt dies deutlich zum Ausdruck:

„In der Gemeinschaftsrunde wird nicht nach Frau und Mann gefragt; Alles was Gott geschaffen hat, ist vollkommen; Wir sehen nicht auf den Unterschied von Frau und Mann; Das Unvollkommene, das Unvollständige ist in deinen Gedanken“

In dieser Anschauung liegt der Hauptunterschied zur Schariat. Im Alevitentum sind die Frau-Mann Beziehungen nicht nach den für die Frau erniedrigenden Schariatgesetzen geregelt. Bei den Aleviten ist die Frau vor allem ein Mensch. Die Frau ohne Mann ist so wenig vorstellbar wie der Mann ohne Frau. Beide zusammen bilden ein Ganzes. Die Trinität des ;

„Beherrsche Deine Hände, deine Zunge und Deine Lenden.“

bringt die Achtung vor der Frau am besten zum Ausdruck.

Die Einhaltung dieser moralischen Grundregeln wird von Frauen und Männern gleichermaßen erwartet. In den Frau-Mann Beziehungen gilt nicht:“ Die Freude für den Mann, das Leid für die Frau. “

Bei den Aleviten gibt es nur die Monogamie und nicht die Möglichkeit der Polygamie, wie bei vielen anderen Konfessionen des Islam, wo bis zu vier Frauen angeheiratet werden können. Im Allgemeinen: Wer sich zu Unrecht von seinem Ehepartner scheidet, macht sich schuldig (düskün). Ein „düskün“ kann nicht in der Alevitengemeinschaft bleiben. Der Bektaschi-Dichter Künci drückt das so aus:

– Ein Bektaschi bestiehlt niemanden.

– Das Beten ist ihm kein Vorwand für das   Nichtstun.

– Er nimmt sich zu seiner Frau keine weitere, so lange er lebt, trennt er sich von ihr nicht.

Nach alevitischer Auffassung ist die Frau nicht ein Wesen, das verschleiert und nach allen Seiten abgeschirmt werden muss, das von Beziehungen mit Männern und der Außenwelt abgeschnitten, seine Pflichten alleine bei dem Ehemann, den Kindern, in der Küche und in der Moschee erfüllen muss. Sie ist nicht ein Wesen, das bei der Begrüßung eines Mannes durch das Händegeben bereits beschmutzt wird. Die Aleviten halten ihre Ehe nicht durch die Abschirmung ihrer Frauen rein, sondern durch ihr Denken und ihr Verhalten.

Diese Gleichheit von Frau und Mann geht zurück auf vorislamische Traditionen, die geprägt sind vom Schamanismus und Zarathrustra. Dazu kommen altanatolische Traditionen, in denen z.B. auch weibliche Gottheiten ihren Platz hatten.

Das Bild der Frau im Alevitentum zeigt große Ähnlichkeiten zu der Einstellung der westlichen Welt.

Quelle: Ali Duran Gülcicek